In eigener Sache

Nachdem ich mich viele Jahre mit der Situation von Freelancern beschäftige, schwirrt mir zur Zeit eine neue Publikationsidee im Kopf herum. In meinem eigenen Bekannten- und Freundeskreis gibt es genug Freelancer und meistens sind wir uns auch einig, wenn es um unsere Situation geht.

Aber es gibt da draußen vielleicht auch noch andere Erfahrungen oder Meinungen, von denen ich gern hören würde. Freue mich deshalb über Kontakte zum Austausch – am besten über das Kontaktformular. Bitte auch eine Mail-Adresse oder Tel.Nr. angeben, damit ich mich zurückmelden kann …

PS: Falls ich mich nicht gleich sofort zurückmelde, dann aber bestimmt am nächsten Tag, versprochen!

Gehälter von Kreativen in der Werbebranche

Über einen Link habe ich einen Artikel in der PAGE entdeckt, in dem die durchschnittlichen Gehälter im Jahr 2016 aufgelistet sind. Nach dieser Liste wurden im Jahr 2016 folgende Durchschnittsgehälter gezahlt (wobei große Agenturen in der Regel mehr und kleinere eher weniger zahlten):

  • Creative Director: 80.168 EUR
  • Konzepter: 47.058 EUR
  • Art Director: 45.490 EUR
  • PR-Manager: 40.991 EUR
  • Texter: 39.065 EUR
  • Designer: 33.582 EUR

Die Freelancer, die ihr Honorar anhand der Gehälter von Angestellten ermitteln, haben hier eine gute Ausgangsbasis für die weitere  Kalkulation nach Gehalt.

 

Billiglöhner und Selbstausbeuter in Agenturen

Soeben entdeckt: ein Artikel in der ZEIT über Billiglöhner und Selbstausbeuter in Agenturen. So als Zusammenfassung ein Appell an die Arbeitgeber, dass „ein fancy Job in einem fancy Unternehmen“ einen realistischen Lohn bringen muss, mit dem es möglich ist, a) über die Runden zu kommen und b) sich gelegentlich etwas leisten zu können. Denn:

Wir reden hier von großen Agenturen, von Unternehmen, die Geld haben – sie aber nicht nach unten weiterreichen. Wir reden hier von Jobs, die nicht mit 40 Stunden die Woche gemacht sind. Wir reden hier von Arbeitssituationen, in denen jungen Menschen weisgemacht wird, wenn sie einmal im Monat auf eine hippe Party kommen, bei der sie sich drei Gläser Champagner umsonst reinhauen dürfen, dann ist das irgendwie auch Teil der Bezahlung. Super, vielleicht gibt’s ja auch ein paar Gemüse-Sticks, dann knurrt der Magen wenigstens nicht so laut unter den teuren, von den Eltern bezahlten Klamotten.

Dieser Appell sollte natürlich nicht nur für alle Arbeitgeber festangestellter Kreativer gelten, sondern auch für die Auftraggeber von Freelancern. Aber wie leider schon oft festgestellt wurde:

Selbstverwirklichung als Selbstausbeutung, das funktioniert einfach besonders gut in kreativen Berufen.

Leider verkaufen sich die angestellten Kreativen oft so billig, weil ständig die Drohung im Raum steht, „dass 300 andere Schlange stehen“, um den Job zu übernehmen – es ist die Angst, ganz ohne Job dazustehen, warum sich viele Kreative für billig Geld als Lohnknechte verdingen.

Und bei Freelancern funktioniert der Druck der Angst ebenso. Zu viele verkaufen sich und ihre Leistung weit unter Wert, weil sie auf jeden Cent angewiesen sind. Und wenn sich alle weit unter Wert verkaufen, läuft’s doch für die Auftraggeber prima, stimmt’s?

Irgendwie scheint das mit der Schwarmintelligenz zumindest bei Kreativen nicht zu funktionieren – als Schwarm agieren wir nicht gemeinsam, sondern jeder für sich  …

Ließe sich das ändern? Das ist für mich die spannende Frage …

Was verdienen Gestalter und Designer?

In t3n gibt es eine schöne Übersicht, was Gestalter und Designer im Angestelltenverhältnis verdienen. Wer über den Ausbildungsberuf als Mediengestalter oder als Gestalter für visuelle Medien einsteigt, erhält am Anfang durchschnittlich 24.540 EUR pro Jahr (die Bandbreite reicht von 21.172 bis 27.662 EUR). Berufseinsteiger mit Studium bekommen meist 30.270 EUR pro Jahr. Als Junior Art Director gibt es 28.400 für ausgebildete und 36.545 EUR für studierte Designer. Und wer nach den Zwischenstufen Art Director und Senior Art Director die Karrierestufe zum Creative Director geschafft hat, kann sogar mit einem Einkommen zwischen 52.015 und 84.127 EUR rechnen.

Ob das als Richtwert für freiberuflich tätige Gestalter und Designer passt?

Umfrage: Honorare für freie Journalisten

Ein Fachjournalist aus Bayern hat mir eine Ausgabe des BJV-reports geschickt. Darin ein Beitrag über eine Umfrage zu den Honoraren bzw. den Jahresumsätzen von freien Journalisten. Da nur 163 Journalisten an der Umfrage teilgenommen haben, ist sie sicherlich nicht repräsentativ, gibt aber dennoch einen prägnanten Einblick in die Branche.

Von den 163 Teilnehmern der Umfrage sind 80 Prozent „echte Freie“, 15 Prozent sind „feste Freie“ und 5 Prozent arbeiten als Pauschalisten. Knapp zwei Drittel ist in oder rund um München beheimatet. Vielleicht erklärt diese Nähe zur Metropole die Spitzenhonorare von 50.000 EUR und mehr bei einigen Journalisten.

Im Durchschnitt lagen die Honorare bzw. Jahresumsätze nämlich nur bei 27.300 EUR. Bei einem Steuersatz von rund einem Drittel gehen hiervon rund 9.000 EUR für die Steuer weg. Bleiben rund 18.000 EUR.

Die Ausgaben für Altersvorsorge, Bürokosten, Foto- bzw. Rechnerausrüstung etc. betragen durchschnittlich (d.h. der eine mehr, der andere weniger!) 7.000 EUR. Bleibt also ein Durchschnittseinkommen von weniger als 1.000 EUR pro Monat für Miete, Essen, Kleidung etc.

Reicht das zum Leben?

Bei 17 Prozent der Befragten ist es das einzige Haushaltseinkommen. Ein Viertel leistet einen Beitrag von weniger als der Hälfte zum Familieneinkommen, d.h. hier ist jemand abhängig von einem Partner und dessen Einkommen (oder noch vom Einkommen der Eltern?).

Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit wird übrigens mit 43 Stunden angegeben, davon gehen ungefähr 23 Prozent auf administrative Tätigkeiten.

45 Prozent sind insgesamt gesehen zufrieden mit der Auftragslage. Zu den weiteren Aussichten sehen 21 Prozent eine Verbesserung, aber 33 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Einkommen ungefähr gleich geblieben. „Das bedeutet aber auch, steigende Kosten können nicht aufgefangen werden“, so der BJV-report.

Bedenkenswert sind die Angaben zur Altersvorsorge: Im Durchschnitt werden 43 Prozent der Kosten bzw. Ausgaben für die Altersvorsorge verwendet. ABER: 20 Prozent der Befragten haben diese Frage gar nicht beantwortet. Und bei den anderen waren es im Schnitt nur 4.500 EUR im Jahr, die in eine Altersvorsorge gezahlt wurden. Zu empfehlen wäre eine Summe von 6.000 EUR pro Jahr. Die meisten Journalisten dürften also im Rentenalter ein echtes Problem haben.

 

Journalisten: Vergütung für Urheberrechte

Ob für Buchautoren oder Journalisten – wer sein Honorar von Verlagen erhält, kommt ums Urhebervertragsrecht nicht drum herum. Ein FAZ-Artikel gibt kurzen Einblick in die Branche. Autoren und Journalisten klagen über Dumpingpreise und miserable Vergütung für Nutzungsrechte, zudem landeten Urheber, die auch mal auf dem Klageweg auf ihren Urheberrechten bestehen, schnell auf einer verlagsübergreifenden Blacklist.

Der Deutsche Journalistenverband klagt über Honorare von 20 EUR für eine Sportreportage – ganz gewiss nicht nur für den Artikel selbst, sondern inklusive Zeit und Zusatzaufwand für die An- und Abfahrt zum Wettkampfort. Bei diesen Konditionen kommt nicht einmal der gesetzliche Mindestlohn zustande.

Das erinnert mich daran, dass die heimische Lokalzeitung immer wieder nach freien Mitarbeitern aus der Region sucht – gern auch Hausfrauen, Oberstufenschüler, Studenten oder Rentner, die einen Crashkurs im Schreiben bekommen, um dann über lokale Ereignisse zu berichten.

Wetten, dass diese freien Mitarbeiter noch nie vom Urhebervertragsrecht gehört haben und sich deshalb besonders billig abspeisen lassen?