In eigener Sache

Nachdem ich mich viele Jahre mit der Situation von Freelancern beschäftige, schwirrt mir zur Zeit eine neue Publikationsidee im Kopf herum. In meinem eigenen Bekannten- und Freundeskreis gibt es genug Freelancer und meistens sind wir uns auch einig, wenn es um unsere Situation geht.

Aber es gibt da draußen vielleicht auch noch andere Erfahrungen oder Meinungen, von denen ich gern hören würde. Freue mich deshalb über Kontakte zum Austausch – am besten über das Kontaktformular. Bitte auch eine Mail-Adresse oder Tel.Nr. angeben, damit ich mich zurückmelden kann …

PS: Falls ich mich nicht gleich sofort zurückmelde, dann aber bestimmt am nächsten Tag, versprochen!

Faktoren für den Verdienst eines Freelancers

In einem t3n-Artikel aus dem letzten Jahr ging es um die Frage, welche Faktoren einen Einfluss haben auf den Verdienst eines Freelancers. Diese Punkte möchte ich aufgreifen und mit eigenen Anmerkungen ergänzen.

Persönliche Faktoren

Zum einen sind es natürlich die Fähigkeiten und vielleicht noch eine Spezialisierung. Experten mit einem gefragten Spezialgebiet werden auf dem Markt einfach besser bezahlt. Wer für diese Fähigkeiten gute Referenzen und Arbeitsproben vorweisen kann, steht ebenfalls besser da. Falls es am Anfang an guten Arbeitsproben fehlt, bleibt die Möglichkeit, eigene Projekte zu entwickeln – oder vielleicht auch für einen gemeinnützigen Verein (Tierschutzverein, Kulturverein, Naturschutz, sozial ausgerichteter Verein o.ä.) oder ein anderes nicht-kommerzielles Projekt tätig zu werden.

Die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren, erfordert einen professionell wirkenden Auftritt, angefangen von der Visitenkarte bis zum Webauftritt. Im persönlichen Kontakt braucht es ausreichend Selbstvertrauen und – wenn es um einen Auftrag geht – auch ein Mindestmaß an Verhandlungsgeschick. Wer wenig Selbstvertrauen hat und sich über seinen eigenen Wert unsicher ist, wird sich auch schnell unter dem Marktwert verkaufen.

Apropos „unter Wert verkaufen“: gerade beim Einstiegshonorar ist es falsch, zu tief einzusteigen, denn der erste Stundensatz beeinflusst ganz klar das spätere Honorar.

Ein Kunde, bei dem man mit einem Stundensatz von nur 40 EUR einsteigt, wird nicht verstehen, wenn es bei den Preisverhandlungen im nächsten Jahr plötzlich um 120 EUR geht. Eine weitere Gefahr: wer weiterempfohlen wird, weil er/sie so günstig ist, kann auch beim nächsten Kunden das Honorar nicht nach oben schrauben – auch hier wird es immer auf einem eher niedrigen Niveau bleiben.

Hinweis: Bei Honorarfragen ist es daher recht hilfreich, ein kleines finanzielles Polster zu haben, um nicht dringend auf jeden Auftrag angewiesen zu sein. Sich mit nix selbstständig zu machen und ab dem ersten Monat schon die Fixkosten für Miete, Krankenversicherung etc. am Bein zu haben, führt schnell dazu, für lau zu arbeiten, nur um überhaupt was reinzukriegen und die Kosten halbwegs abdecken zu können – wer nur die Kosten abdecken kann, hat betriebswirtschaftlich betrachtet keinen  Gewinn und damit keinen richtigen Verdienst.

Externe Faktoren

Eine wichtige Rolle beim Verdienst spielt die Unternehmensgröße des Auftraggebers. Kleine Unternehmen und Start-ups haben in der Regel keine großen Budgets, das Honorar bleibt dann eher lau. Bei mittelständischen und größeren Unternehmen sind die Budgets in der Regel üppiger.

Die Größe der Budgets hängt teilweise aber auch von der Branche des Auftraggebers ab. In manchen Branchen ist die Verdienstmarge nicht besonders hoch, hier entscheidet die Anzahl oder Quantität von Aufträgen oder Bestellungen über Wohl und Wehe und damit auch über Budgetfragen.

Aus eigener Erfahrung spielt (vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen) auch die Persönlichkeit des Entscheiders eine wesentliche Rolle. Es gibt Firmeninhaber oder Geschäftsführer oder Marketingleiter, die prinzipiell nur auf Einsparmöglichkeiten schauen und die stets dem günstigsten Anbieter oder Freelancer den Zuschlag geben. Es gibt aber auch sachgerechter denkende Entscheider, die nicht nur über den Preis entscheiden, sondern die auch mehr Wert auf die gelieferte Qualität legen – hier darf es dann gern auch ein wenig mehr kosten, wenn der Dienstleister die bessere Leistung bieten kann.

Nicht zuletzt spielt auch eine Rolle, ob der Auftraggeber das Unternehmen selbst ist oder ob man als Freelancer über eine Agentur oder einen anderen Vermittler ins Boot geholt wird. Wer für Direktkunden arbeitet, kann den vollen Honorarsatz verbuchen. Wer für einen Vermittler arbeitet, muss einen Teil des Honorars als Provision abschreiben und wer für eine Agentur arbeitet, wird Abstriche beim Stundensatz machen müssen. Dafür fällt bei Agenturen noch der eine oder andere Auftrag für andere Unternehmen an und im Idealfall genießt man die Vorzüge eines fest-freien Arbeitsverhältnisses – damit lässt sich auch ein geringerer Stundensatz gut verschmerzen 😉

 

 

Das verdienen Social-Media-Manager

Social-Media-Manager ist vielleicht kein klassischer Kreativ-Beruf, aber da es hier auch einige Freelancer gibt (viele Grüße an Thomas Engeroff), könnte für einige Leser das Gehalt eines Social-Media-Managers recht interessant sein.

In einer Studie von www.gehalt.de wurden 2016 fast 1.700 Social-Media-Managern nach ihrem Gehalt, aber auch nach Berufserfahrung, Firmengröße, Personalverantwortung und Branchen befragt. Zuständig sind sie für die Pflege der Social-Media-Profile, den Kontakt oder den Dialog mit Kunden und der Öffentlichkeit sowie für das Ausarbeiten von Kampagnen auf diversen Plattformen.

Für diese Tätigkeit erhalten Social-Media-Manager im Durchschnitt rund 39.800 Euro brutto im Jahr. Berufseinsteiger müssen sich zunächst mit einem Durchschnitt von 34.000 Euro begnügen. In einem Trainee-Programm bleibt der Verdienst meist unter 30.000 Euro. Wer jedoch neun Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, kann sich schon über 50.000 Euro freuen.

Das Gehalt wird dabei von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Zum einen spielt die Größe des Unternehmens eine Rolle, aber auch die Personalverantwortung zählt mit. So verdient ein Social-Media-Manager mit Abteilungs- und Teamleiterfunktion durchschnittlich rund 63.000 Euro, je nach Position, Verantwortung und Branche sind bis zu 71.000 Euro drin.

Ein wichtiger Faktor ist aber auch die Branche. Ein Social-Media-Manager in der Hotel- oder Gastronomiebranche wird mit 32.800 Euro unterdurchschnittlich bezahlt, in Werbung, PR und Medien sind es rund 36.000 Euro. Deutlich höher wird in der Automobilindustrie und bei den Banken bezahlt: hier können sich Social-Media-Manager durchschnittlich über rund 46.700 bzw. 50.700 Euro freuen.

So viel zu den Gehältern von angestellten Social-Media-Managern. Wer jetzt wissen möchte, wie das Gehalt eines Angestellten in das Honorar eines Freelancers umgerechnet werden kann, findet diese Frage auf der Seite Nach Gehalt erklärt.

 

 

 

 

Honorare für Texter in der w+v

Der Beitrag ist schon vom letzten Oktober, jetzt beim Sortieren der vielen offenen Tabs ist die passende Gelegenheit gekommen, darauf aufmerksam zu machen. Chefredakteur Jochen Kalka schreibt über die miesen Honorare für Texter.

Lange Jahre wurde nach Tagessätzen abgerechnet, dann kam mehr und mehr die Abrechnung über Stundensätze – häufig auch zu „unmoralischen Angeboten, die oft aus einer gewissen Not heraus nicht abgelehnt werden können“.

Seit einigen Jahren gibt es jetzt die Abrechnung pro Wort.  Mehrere Texter kommen (anonym) zu Wort und rechnen vor:

Eine gute Copy hat im Schnitt 650 Anschläge. Das sind rund 150 Wörter. Nehmen wir den aktuellen „Spitzensatz“ von 10 Cent pro Wort, kommt man auf 1500 Cent, was 15 lächerliche Euro sind. Zum Vergleich: Bisher werden für diese Textlänge ungefähr 300 Euro berappt.

Ein anderer Texter schreibt: „Ich komme mir langsam vor wie ein Mexikaner, der morgens an der Hauptstraße mit Arbeitshandschuhen und ´ner Schaufel steht und darauf wartet, dass irgendwer mit ´nem Pickup vorbeikommt und Hilfe braucht, für ein paar Pesos oder ´nen Maiskolben auf die Faust“.

Im Artikel finden sich noch weitere Grusel-Beispiele für die Ausbeutung durch Auftraggeber. Und für zähes Zahlen erst nach vier Monaten. Oder fürs Kürzen des Honorars. Wer sich weiter gruseln will, findet hier Jochen Kalkas Artikel

 

Gehälter von Kreativen in der Werbebranche

Über einen Link habe ich einen Artikel in der PAGE entdeckt, in dem die durchschnittlichen Gehälter im Jahr 2016 aufgelistet sind. Nach dieser Liste wurden im Jahr 2016 folgende Durchschnittsgehälter gezahlt (wobei große Agenturen in der Regel mehr und kleinere eher weniger zahlten):

  • Creative Director: 80.168 EUR
  • Konzepter: 47.058 EUR
  • Art Director: 45.490 EUR
  • PR-Manager: 40.991 EUR
  • Texter: 39.065 EUR
  • Designer: 33.582 EUR

Die Freelancer, die ihr Honorar anhand der Gehälter von Angestellten ermitteln, haben hier eine gute Ausgangsbasis für die weitere  Kalkulation nach Gehalt.

 

Billiglöhner und Selbstausbeuter in Agenturen

Soeben entdeckt: ein Artikel in der ZEIT über Billiglöhner und Selbstausbeuter in Agenturen. So als Zusammenfassung ein Appell an die Arbeitgeber, dass „ein fancy Job in einem fancy Unternehmen“ einen realistischen Lohn bringen muss, mit dem es möglich ist, a) über die Runden zu kommen und b) sich gelegentlich etwas leisten zu können. Denn:

Wir reden hier von großen Agenturen, von Unternehmen, die Geld haben – sie aber nicht nach unten weiterreichen. Wir reden hier von Jobs, die nicht mit 40 Stunden die Woche gemacht sind. Wir reden hier von Arbeitssituationen, in denen jungen Menschen weisgemacht wird, wenn sie einmal im Monat auf eine hippe Party kommen, bei der sie sich drei Gläser Champagner umsonst reinhauen dürfen, dann ist das irgendwie auch Teil der Bezahlung. Super, vielleicht gibt’s ja auch ein paar Gemüse-Sticks, dann knurrt der Magen wenigstens nicht so laut unter den teuren, von den Eltern bezahlten Klamotten.

Dieser Appell sollte natürlich nicht nur für alle Arbeitgeber festangestellter Kreativer gelten, sondern auch für die Auftraggeber von Freelancern. Aber wie leider schon oft festgestellt wurde:

Selbstverwirklichung als Selbstausbeutung, das funktioniert einfach besonders gut in kreativen Berufen.

Leider verkaufen sich die angestellten Kreativen oft so billig, weil ständig die Drohung im Raum steht, „dass 300 andere Schlange stehen“, um den Job zu übernehmen – es ist die Angst, ganz ohne Job dazustehen, warum sich viele Kreative für billig Geld als Lohnknechte verdingen.

Und bei Freelancern funktioniert der Druck der Angst ebenso. Zu viele verkaufen sich und ihre Leistung weit unter Wert, weil sie auf jeden Cent angewiesen sind. Und wenn sich alle weit unter Wert verkaufen, läuft’s doch für die Auftraggeber prima, stimmt’s?

Irgendwie scheint das mit der Schwarmintelligenz zumindest bei Kreativen nicht zu funktionieren – als Schwarm agieren wir nicht gemeinsam, sondern jeder für sich  …

Ließe sich das ändern? Das ist für mich die spannende Frage …