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Billiglöhner und Selbstausbeuter in Agenturen

Soeben entdeckt: ein Artikel in der ZEIT über Billiglöhner und Selbstausbeuter in Agenturen. So als Zusammenfassung ein Appell an die Arbeitgeber, dass „ein fancy Job in einem fancy Unternehmen“ einen realistischen Lohn bringen muss, mit dem es möglich ist, a) über die Runden zu kommen und b) sich gelegentlich etwas leisten zu können. Denn:

Wir reden hier von großen Agenturen, von Unternehmen, die Geld haben – sie aber nicht nach unten weiterreichen. Wir reden hier von Jobs, die nicht mit 40 Stunden die Woche gemacht sind. Wir reden hier von Arbeitssituationen, in denen jungen Menschen weisgemacht wird, wenn sie einmal im Monat auf eine hippe Party kommen, bei der sie sich drei Gläser Champagner umsonst reinhauen dürfen, dann ist das irgendwie auch Teil der Bezahlung. Super, vielleicht gibt’s ja auch ein paar Gemüse-Sticks, dann knurrt der Magen wenigstens nicht so laut unter den teuren, von den Eltern bezahlten Klamotten.

Dieser Appell sollte natürlich nicht nur für alle Arbeitgeber festangestellter Kreativer gelten, sondern auch für die Auftraggeber von Freelancern. Aber wie leider schon oft festgestellt wurde:

Selbstverwirklichung als Selbstausbeutung, das funktioniert einfach besonders gut in kreativen Berufen.

Leider verkaufen sich die angestellten Kreativen oft so billig, weil ständig die Drohung im Raum steht, „dass 300 andere Schlange stehen“, um den Job zu übernehmen – es ist die Angst, ganz ohne Job dazustehen, warum sich viele Kreative für billig Geld als Lohnknechte verdingen.

Und bei Freelancern funktioniert der Druck der Angst ebenso. Zu viele verkaufen sich und ihre Leistung weit unter Wert, weil sie auf jeden Cent angewiesen sind. Und wenn sich alle weit unter Wert verkaufen, läuft’s doch für die Auftraggeber prima, stimmt’s?

Irgendwie scheint das mit der Schwarmintelligenz zumindest bei Kreativen nicht zu funktionieren – als Schwarm agieren wir nicht gemeinsam, sondern jeder für sich  …

Ließe sich das ändern? Das ist für mich die spannende Frage …

In eigener Sache: wieder frisch online

Im letzten Sommer habe ich WordPress aktualisiert, aber leider ging damit das Template in irgendein Daten-Nirwana: sobald ich mich einloggen wollte, gab es eine Fehlermeldung. Ich hatte mich irgendwie selbst ausgesperrt, hatte aber blöderweise vorher kein Backup gemacht und überhaupt keine Zeit, mich um irgendwelche technischen Probleme zu kümmern. Mein bisheriger WordPress-Dienstleister konnte sich auch nicht kümmern, daher lag die Website jetzt mehrere Monate brach.

Mein Megastress hat sich glücklicherweise normalisiert, so dass ich in den letzten Tagen wieder Luft hatte, mich um das technische Problem zu kümmern. Beziehungsweise ich habe mich nicht selbst gekümmert, sondern Diana hat das Problem gelöst und ein neues Template installiert und angepasst. Die Website hat sich also in der Optik etwas verändert, aber sie funktioniert endlich wieder!

In den letzten Monaten bin ich aber über kleinere Meldungen gestoßen bzw. bin auch von Lesern angeschrieben worden. Diese noch nicht publizierten Inhalte werden jetzt mit etwas Verspätung nachgereicht.

Neuer Tarifvertrag beim AGD

Unter anderem bekam ich eine E-Mail vom AGD – vielen Dank dafür! Da mir die Zeit fehlt, um aktiv nach Neuerungen zu recherchieren, freue ich mich natürlich sehr, wenn ich Infos per E-Mail erhalte.

Seit dem 1.11.15 gibt es beim AGD (Allianz deutscher Grafik-Designer) einen neuen VTV Designvertrag, der einen Mindeststundensatz von 90 EUR empfiehlt. Weitere Infos zu diesem Vertrag gibt es direkt beim AGD; wer will, kann ihn auch direkt im Onlineshop bestellen.

Weitere Meldungen

Zu den weiteren gesammelten Infos aus den letzten Monaten gehört eine Meldung von T3N: Die Zahl der Hartz4-Aufstocker unter den Selbständigen hat sich seit 2007 verdoppelt, und zwar von 66.910 auf 117.904 im Vorjahr (also 2014).

Während Selbstständige mit Beschäftigten ein Nettoeinkommen von 2.701 EUR monatlich verbuchen konnten, mussten sich Solo-Selbständige ohne Beschäftigte mit 1.496 EUR begnügen. Im Durchschnitt, wohlgemerkt! Das bedeutet natürlich, unter den 1,85 Millionen Freelancern bzw. den 12 Prozent davon in der Kommunikations- und Informationsbranche gibt es durchaus welche, die auf 2.500 oder 3.000 EUR kommen – es gibt aber auch etliche, deren Nettoeinkommen nur bei wenigen Hundert Euro liegt! Und davon müssen Miete, Nebenkosten, Essen, Krankenkasse und Arbeitsmittel (Telefon!) bezahlt werden!?

Miese Honorare als Frauenproblem?

In Spiegel Online ist heute ein Artikel erschienen, in dem es um die Frage geht, ob Frauen nur im Angestelltenstatus an die Gläserne Decke stoßen oder ob das auch in der Selbständigkeit der Fall ist. Wenn ich mich umhöre oder auch die E-Mails lese, die ab und zu reinkommen, dann habe ich den Eindruck, dass sowohl Frauen als auch Männer in Kultur- und Kreativ-Jobs in den letzten Jahren zunehmend Schwierigkeiten haben, gute Stunden- oder Tagessätze zu erzielen. Gerade für Einsteiger ist es nicht leicht, Honorare durchzusetzen, die tatsächlich eine tragfähige Existenz ermöglichen.

Aber lässt sich der Unterschied wirklich am Geschlecht festmachen? Oder liegt es am Metier oder an der Berufserfahrung?

Auf Zuschriften und Kommentare bin ich jetzt wirklich neugierig …

Honorare für Kulturwissenschaftler

Dieser Tage kam eine Mail vom BfK, dem Berufsverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler. Auch dieser Berufsverband hat eigene Honorarempfehlungen, die jetzt auch hier auf der Website bei den Honorarempfehlungen aufgeführt sind – und die natürlich auch direkt bei den BfK-Honoraren aufgerufen werden können.

Wer sich jetzt fragt, in welchen Disziplinen freiberufliche Kulturwissenschaftler tätig sind, findet auf der Website gleich 12 Tätigkeitsbereiche, von Archiv, Dokumentation, Denkmalpflege und Familienforschung über Kunst, Museum, Ausstellungen und Kulturvermittlung oder Kulturmanagement bis zu Medien/Redaktion und Festschriften.

Für die Sparte Archäologie und Grabungen gibt es übrigens noch eigene Honorarempfehlungen – einfach mal schauen …

 

Freiberufler ist nicht gleich Freiberufler (bei den Honoraren)

Ein Bekannter hat mich auf einen Artikel in der ZEIT aufmerksam gemacht, zum Thema Berufseinstieg in der Kreativbranche. Den Artikel selbst finde ich eher larifari, da werden einfach nur ein paar Tipps oberflächlich abgespult. Aber gut war der Kommentar Nr. 21, wo darauf hingewiesen wird, dass „ein Großteil der Freischaffenden, Architekten, Ärzte, Juristen, Steuerberater und dergleichen hierzulande mit Gebührenordnungen gepampert werden. Angeblich, weil nur so die Qualität ihrer Dienstleistung gewährleistet ist. Für alle wirklichen Freien ist das ein Hohn, denn die müssen permanent die Qualität ihrer Arbeit am Markt nachweisen.“

Wenn man sich mal mit Honoraren beschäftigt, fällt durchaus auf, dass es seitens der Verbände keine Honorarvorgaben geben darf, weil wegen Kartell und so. Böse Welt, wenn sich die darbenden Kreativen absprechen würden. Da soll sich jeder selbst durchschlagen, das will die freie Marktwirtschaft so.

Aber dann hätte ich gern, dass sich Rechtsanwälte und Steuerberater bittesehr auch mal dem Wettbewerb stellen sollen anstatt sich feige hinter ihren Gebührenordnungen zu verstecken.