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Nicht-honorierte Zeitfresser

Im Berufsleben gibt es nicht nur produktive Zeiten – also Zeiten, die ein Freelancer auch tatsächlich abrechnen kann. Im Gegenteil: ein riesiger Anteil der Arbeitszeit geht für nicht-honorierte Zeitfresser-Aufgaben drauf. Was jeder schon immer geahnt hat, konnte jetzt eine Studie zeigen: die vielen Besprechungen und das E-Mail-Schreiben frisst im Berufsleben ganz schön viel Arbeitszeit weg. Jeweils ein ganzer Arbeitstag pro Woche wird durchschnittlich für diese beiden Tätigkeiten gebraucht. Es bleiben nach Adam Riese also gerade mal drei Arbeitstage für die eigentliche Arbeit übrig. Wobei das für Freelancer sogar noch weniger sein könnte, denn je nach Auslastung und Kundenstruktur müsste hier auch noch Zeit für die Akquise neuer Kunden einkalkuliert werden. Letztendlich zeigt das mal wieder, den Stundensatz als Freelancer so zu kalkulieren, dass der Lebensunterhalt nicht allein von den abrechenbaren Stunden bestritten werden muss – wer wirklich nur die reine Netto-Zeit zu einem Mini-Stundensatz abrechnet, dürfte am Ende des Monats ein großes Loch in der Kasse haben.

Unbezahlter Leerlauf

Dieser Tage läuft es grad blöd. Vor etwa drei Wochen habe ich von einer Agentur, mit denen ich schon lange zusammenarbeite, drei neue, recht umfangreiche Jobs angekündigt bekommen – und alles sollte in den nächsten Tagen anfangen und baldmöglichst fertig werden. Oje, dacht ich, das wird dann aber zeitlich eng. Bei einer anderen Agentur habe ich daraufhin signalisiert, dass ich erst ab August wieder Kapazitäten frei hätte.

Tja, und nun iss nix geworden. Den einen Auftrag habe ich begonnen und dann festgestellt, dass jede Menge Infos fehlen. Also Rücksprache mit der Agentur, die sich dann mit dem Kunden in Verbindung gesetzt hat. Dort war aber der Ansprechpartner krank. Diese Woche ist er wieder am Schreibtisch und wenn es gut läuft, bekomme ich die Infos bis Ende der Woche – drei Wochen, nachdem ich eigentlich schon fertig sein wollte.

Bei den zwei anderen Jobs ist ein anderer Projektleiter zuständig, der war zuerst ständig in Gesprächen oder unterwegs und jetzt hat er sich ganz hektisch in den Urlaub verabschiedet, die zwei anderen Jobs werden also bis zu seiner Rückkehr liegenbleiben.

So habe ich jetzt ein paar Tage Leerlauf. Leider wohl nicht genug, um bei der anderen Agentur anzuklopfen. Bis es da zu einem Briefinggespräch kommt und ich loslegen könnte, dürfte auf der anderen Seite der Urlaub zu Ende gehen bzw. das Informationsdefizit behoben sein. Und dann hätte ich ein richtiges Problem, nämlich zu viele Jobs gleichzeitig (oje, immer dieses Hin- und Herjonglieren).

Also nutze ich die Gunst der Stunde, um mich um all die liegengebliebenen Sachen auf meinem Schreibtisch zu kümmern. Einige sind inzwischen von der Kategorie „wichtig, nicht vergessen“ in „gaaanz dringend erledigen“. Leider sind das alles Arbeiten, für die ich niemandem eine Rechnung schreiben kann. Eine Versicherung will was wissen wegen neuer Vertragskonditionen, ich muss mich dringend um die Buchhaltung kümmern und schließlich gibt es noch die drei Jahre alte Rechnung (siehe der letzte Eintrag), für die ich noch kein Geld gesehen habe, da habe ich mal unter dem Stichwort „Factoring“ gegooglet, bis ich festgestellt habe, dass Factoring für eine ganz andere Größenordnung gemünzt ist, daraufhin habe ich nach „Inkasso“ gegooglet und mich in dieses Thema eingelesen – und schwuppdiwupp waren schon wieder zwei halbe Arbeitstage vorbei. So recht entscheiden konnte ich mich für keinen der Inkassodienste, wer also einen Tipp hat, gern.

Jedenfalls plage ich mich seit Tagen mit zähem Zeug herum, anstatt mich um meinen eigentlichen Job kümmern zu können. Und am meisten nervt mich, dass diese ungeliebten Zeitfresser-Aufgaben nicht einen Cent einbringen.

Hoffentlich geht es mit den Jobs bald los, damit ich einen guten Grund habe, diesen ganzen lästigen Verwaltungskram wieder auf die Seite zu legen. Das ist echt nicht mein Ding …