Schlagwort-Archiv: Mindestlohn

Mindestlohn – auch für Selbstständige?

Das ist ja schön, dass Angestellte demnächst einen Mindestlohn erhalten sollen. Noch schöner wäre es, wenn eine solche Regelung auch für Selbstständige käme. Aber es gibt genug Beispiele von Freelancern, die den Auftrag nicht bekommen, wenn sie zum erforderlichen Stundensatz von Minimum 45 EUR anbieten. Leider finden sich genug andere hungerleidende Freelancer, die bereits sind, für ’n Appel und ’n Ei zu arbeiten. Oder ganz für lau, weil sie sich ködern lassen von den schönen Aussichten, die der Auftraggeber visionär andeutet in der Art von: Naja, machen Sie mal, wenn wir dann zufrieden sind, dann geben wir Ihnen einen richtig gut bezahlten Auftrag.

Hier aktuell zwei Artikel zum Thema Mindestlöhne für Selbständige:

  • Arme Kapitalisten:Selbstständige sind die neuen NiedriglöhnerBald sollen alle Arbeitnehmer mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Ob Friseure, Kioskbetreiber, Anwälte: Hunderttausende Unternehmer müssen mit weniger auskommen.
  • Mindestlohn-Debatte Jeder vierte Selbständige verdient kümmerlich
    Arbeitnehmer sollen bald einen Mindestlohn von 8,50 je Stunde bekommen. Wie aber sieht es mit vielen Selbständigen aus? Laut Berechnungen des DIW verdienen rund 1,1 Millionen von ihnen weniger.
    Auszüge aus dem Artikel: DIW-Arbeitsmarktforscher Karl Brenke beurteilt viele Selbstständige als „Kümmerexistenzen“, unter anderem weil bei rund 40 Prozent aller Solo-Unternehmer nach Abzug aller Kosten so wenig Gewinn bleibt, dass keine Rücklagen aufgebaut werden können. „Diesen Selbständigen fehlen Mittel für Investitionen, als Vorsorge für Krankheit oder Alter“, warnt er.

 

Ganz frei und ganz ohne Mindestlohn

Ein Kollege hat mir einen Link geschickt auf einen Presse-Artikel, nach dem Journalisten in den USA die größten Verlierer der Wirtschaftskrise sind. Während im letzten Jahr die Zahl der Arbeitsplätze allgemein um acht Prozent gesunken ist, sind im Journalismus 22 Prozent der Arbeitsplätze verloren gegangen. Insgesamt haben damit 35.000 Journalisten ihren Job verloren. In Deutschland habe sich die Zahl der arbeitslosen Journalisten im gleichen Zeitraum zwar „nur“ etwa elf Prozent erhöht. Allerdings sei diese Zahl nicht so aussagefähig, weil sich viele Journalisten erst gar nicht arbeitslos melden. Ob diese sich nun alle als Freie auf dem Markt versuchen? Und ob die einen Einstieg über Preisdumping sehen?

Dazu passt ein Artikel dieser Tage in SPON über pro und contra von Mindestlöhnen. Ein Satz ist mir hier hängengeblieben, von dem Inhaber eines Gebäudereinigerunternehmens: „… Für Gebäudereiniger – also für meine Mitarbeiter – gibt es ja schon seit längerem einen Mindestlohn. Und ich muss sagen: Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Die Lohnspirale nach unten wurde gestoppt und inzwischen findet ein Wettbewerb über die Qualität statt – und nicht über das Preisniveau“.

Klasse! Bei den Gebäudereinigern geht es wieder um die Qualität und nicht mehr um den Preis. Und wir freien Kreativen? Zu viele setzen auf einen Einstieg über den Preis. Mir scheint, es wäre höchste Zeit, ein Mindesthonorar für Freie zu verabreden …

Honorare: Arme Architekten?

Da bin ich dieser Tage auf einen hochinteressanten, recht bissigen Artikel gestoßen: Die „Besserverdiener wehren sich gegen Abstriche beim Mindestlohn„, so der Titel. Im Kern geht es um den Vorschlag des Bundeswirtschaftsministerium, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure aus dem Bauwesen zu überarbeiten, in Zukunft sollten die Honorare „ab einer Bausumme von fünf Millionen Euro“ frei verhandelbar sein.

Bitte?! Das wird in einem Ministerium festgelegt?! Aber tatsächlich, da steht es geschrieben: die „Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI)“ ist eine Verordnung des Bundes und hat damit quasi den Charakter eines Gesetzes. Jetzt bin ich aber überrascht. Gäbe es beim Grafikerverband AGD oder beim Texterverband FFW eine feststehende Honorarordnung, bekämen diese Freelancer-Verbände was auf die Mütze, so von wegen Preisabsprachen und Kartellrecht. Insofern bin ich etwas irritiert, dass die einen dürfen (sogar staatlich verordnet) und die anderen nicht. Fällt das jetzt unter „freie“ Marktwirtschaft oder gehört das zur „sozialen“ Marktwirtschaft?

Interessant ist vor allem aber auch die Reaktion der Architektenkammer. Obwohl die Honorare also bis zu einer Summe von 4.999.999 Euro festgelegt bleiben, jammert die Bundesarchitektenkammer jetzt wohl über den „Ausverkauf der Baukultur“.

Aha. Bei 5 Millionen Euro beginnt also der Ausverkauf. Diese Sorgen müssten mal die Freien aus der Kreativ- und Textwirtschaft haben …