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In eigener Sache

Nachdem ich mich viele Jahre mit der Situation von Freelancern beschäftige, schwirrt mir zur Zeit eine neue Publikationsidee im Kopf herum. In meinem eigenen Bekannten- und Freundeskreis gibt es genug Freelancer und meistens sind wir uns auch einig, wenn es um unsere Situation geht.

Aber es gibt da draußen vielleicht auch noch andere Erfahrungen oder Meinungen, von denen ich gern hören würde. Freue mich deshalb über Kontakte zum Austausch – am besten über das Kontaktformular. Bitte auch eine Mail-Adresse oder Tel.Nr. angeben, damit ich mich zurückmelden kann …

PS: Falls ich mich nicht gleich sofort zurückmelde, dann aber bestimmt am nächsten Tag, versprochen!

Warten aufs Geld

Manchmal macht es wirklich keinen Spaß mehr, das Warten aufs Geld. Ein Kunde, für den ich seit mehreren Jahren gelegentlich arbeite, kam vor ein paar Wochen mit einem superdringenden Auftrag, den ich termingerecht geliefert habe. Die Rechnung habe ich noch nicht mal gleich am nächsten Tag geschrieben, sondern erst kurz darauf (also hatte der Kunde damit schon mal Zeit gewonnen). Habe wie immer meine 14 Tage Zahlungsziel genannt. In der folgenden Woche ruft die Assistentin an, meint, die Rechnung sei noch auf den alten Firmennamen, inzwischen habe sich die Firmenbezeichnung leicht geändert, ich solle die Rechnung bitte nochmal schicken. Das habe ich zugesagt und bei der Gelegenheit gefragt, wann denn das Geld rausginge. Antwort: Zahlungslauf sei prinzipiell immer der Montag, da die Rechnung schon abgezeichnet bei ihr auf dem Tisch liege, könnte sie theoretisch nächste Woche überwiesen werden, aber weil das ja erst der zehnte Tag ist, könne sie mir das nicht versprechen, dann wäre es eben der Montag darauf.

Ich habe mich trotz Überschreiten des Zahlungsziels über die halbwegs zeitnah zugesagte Zahlung gefreut, auf meinen Kontostand gekuckt, dann entschieden, dass das Auto in die Werkstatt kann und diverse andere Ausgaben getätigt. Als das Geld nach dem ersten Montag noch nicht kam, habe ich mir nichts Böses dabei gedacht. Als das Geld aber auch nach dem zweiten Montag noch nicht da war, habe ich mich nochmal per Mail gemeldet, ob es denn schon raus sei. Antwort: ich müsse mich leider noch 14 Tage gedulden, weil der kaufmännische Geschäftsführer dann erst aus dem Urlaub zurückkäme.

Hä??? Bitte wie, bitte was? Was sind das für Märchen? Wieso hatte ich vorher nichts von der Story vom Urlaub des Geschäftsführers gehört? Also so etwas sieht doch wirklich nach Herausreden aus, weil gerade nicht gezahlt werden kann, nicht wahr?

Hatte ich nicht geschrieben, der Zahlungseingang solle bitteschön innerhalb von 14 Tagen sein? Und dann werde ich auf den achtzehnten Tag für den Zahlungslauf vertröstet und dann werden locker nochmal 14 Tage drangehängt, weil der eine Geschäftsführer in Urlaub ist?

Nein, ich glaube kein Wort davon. Bei mir hinterlässt das eher den Eindruck, dass ein Kunde mit solchem Zahlungsgebaren am Rand der Nichtzahlungsfähigkeit entlangtaumelt. Auch wenn der Steuer- oder sonst ein Berater ein solches Zahlungsverhalten als „Lieferantenkredit“ empfehlen mag – die Wirkung nach außen zerstört jede noch so mühsam konstruierte Imagepflege. So ein Zahlungsverhalten ist definitiv keine Stärke, das sieht ganz klar nach Schwäche aus.

Es macht definitiv keinen Spaß, länger als nötig aufs Geld zu warten. Und bei einem solchen Auftraggeber stellt sich durchaus die Frage, ob dieser kurz vor der Pleite steht. Oder nicht?

Schön, dass es auch Schnellzahler gibt

Unter meinen Kunden gibt es ein Unternehmen, das immer deutlich vor der Zahlungsfrist von 14 Tagen bezahlt. Und zwar netto, ohne Skontoabzug! Das Unternehmen ist noch nicht einmal ein großes Unternehmen, sondern eine Mini-Firma mit zwei Chefs (sie ist für die Produkte und die Produktion zuständig und er für das Kaufmännische), einer Büroangestellten, einem Azubi und (höchstens) einer Handvoll Leuten in der Produktion und in Lager/Versand.

Dieser Kunde hat jetzt in meiner Zahlungsfristenbilanz einen Rekord aufgestellt. Es war zwar nur eine kleine Rechnung, aber immerhin. Eigentlich wollte ich sie am 16. zur Post bringen, habe es aber nicht geschafft, so wurde es der 17. Also kam der Brief wohl am 18.12. an – und schon am 19.12., einen Tag später war das Geld auf dem Konto! Da war ich richtig überrascht!

Dabei hatte ich dort nur nachgekuckt, weil ich auf einen Zahlungseingang von anderer Seite warte. Da wäre am 15. eine höhere Summe fällig gewesen (und das eh‘ schon bei einem großzügigen Zahlungsziel von einem Monat und da wurde die Rechnung auch erst zwo bis drei Wochen nach Lieferung der Arbeit geschrieben) und auf dieses Geld warte ich heute noch. Auf meine Mail kam bisher keine Antwort. Grrrr. Das nervt.

Umso schöner, auch mal das Gegenteil zu erleben: ein blitzschneller Zahlungseingang. Danke!

Wenn ich also nächstes Jahr von beiden zeitgleich einen Auftrag bekomme, dürfte es eigentlich keine Frage sein, für welchen der zwei Kunden ich mir eher ein Bein ausreiße, oder nicht?

Die eine Rechnung kann ich abschreiben …

Mit nicht oder nur teilweise bezahlten Rechnungen habe ich zum Glück nur selten zu tun. Nach langer Zeit ärgere ich mich aber mal wieder über so einen Fall. Die Rechnung aus dem Jahr 2005 (siehe den Eintrag vom 22.06.08) muss ich leider zu einem Teil abschreiben. Sachverhalt war damals, dass ich von einer kleinen Agentur beauftragt worden war, aber mit dem Kunden direkt abrechnen sollte. Nachdem sich der Kunde beharrlich in Schweigen gehüllt hat, habe ich nun Kontakt zur Agentur aufgenommen. Die gibt es nicht mehr. Stattdessen eine Ex-Agenturinhaberin, der das alles sehr leid tut, die aber meinte, bei dem Kunden sei wohl so schnell nix zu holen, weil (nach ihren Quellen) inzwischen am Rande der Insolvenz. Jetzt zahlt sie mir was aus der eigenen Tasche, aber leider nur knapp die Hälfte.

Mit dem Ärger über das verlorene Geld habe ich mal Revue passieren lassen, wie oft mich dieser Ärger schon getroffen hat. Nächstes Jahr bin ich zehn Jahre selbständig. In dieser Zeit ist dies nun der ungefähr dritte Fall des Nichtzahlens. Ungefähr drei deshalb, weil ich nicht so recht weiß, ob ich einen vierten und fünften Fall mit reinzählen soll, wo ich probehalber Text geliefert habe, Auftrag und damit Honorar kam jedoch nie. Okay, da habe ich zwar eine Leistung gebracht und nix bekommen, aber das war ja (noch) kein Auftrag. Bei den anderen drei Fällen waren es richtige Aufträge, da ärgert’s dann schon.

Womit ich mich tröste: insgesamt sind es nicht mehr als 2.000 Euro gewesen, die ich abschreiben musste. Das auf die Zeit umgerechnet, ist wohl noch im Rahmen. Da habe ich bisher Glück gehabt. Es gibt Freelancer, denen Hunderte oder gar Tausende von Euro verloren gegangen sind. Gerade wenn noch Leistungen hinzugekauft werden, kommen schnell Summen zusammen, die für einen einzelnen Freelancer tödlich sein können. Da sollte man wirklich auf Abschlagszahlungen zwischendurch bestehen. Damit es am Ende nicht ganz so dick kommt.

Manchmal gibt es Tage …

Manchmal – und manchmal hat man das Gefühl auch öfter mal – gibt es Tage, an denen es viel Arbeit für null Honorar gibt. Da telefoniert man wegen eines Jobs, der demnächst losgeht. Dann ruft ein Kunde an und will etwas wissen über einen zurückliegenden Job. Eine Mail kommt rein und will beantwortet werden. Für ein Interview versucht man, einen Ansprechpartner ans Telefon zu bekommen. Dann kommt ein Anruf, ich möge doch bitte die eine Datei von dem Job im letzten Jahr nochmal rausschicken, mein lieber Kunde findet das gerade nicht. Dringend ist es auch. Also sortiere ich mich durch meine Festplatte durch, nein, nichts zu finden, das ist bereits extern gespeichert, also die externe Festplatte anwerfen, mich dort durch die Ordner durchwühlen, bis die gewünschte Datei gefunden ist, dann ins Mail-Programm, ein Mail-Begleitschreiben zum Dateiversand runtertippen und die Mail mit Anhang auf die Reise schicken. Mit solchen Verrichtungen ist dann ruckzuck der halbe Tag rum. Neben ein paar kleinen Erledigungen (die aber nicht richtig zu Buche schlagen) auch einige Service-Leistungen für Kunden, die irgendwie zu klein sind und (für sich allein gesehen) viel zu geringen Aufwand erfordern, um diese Mini-Services in Rechnung zu stellen. Nur: in ihrer Gesamtheit summieren sich die vielen kleinen Extras spürbar. Ärgerlich, wenn dann ein Job auf dem Tisch liegt, der mehrere Stunden ungeteilte Aufmerksamkeit fordert. Am späten Nachmittag damit anzufangen, rentiert sich nicht mehr. Kaum wäre ich im Thema drin, müsste ich auch schon wieder aufhören. Also verschiebt man diesen Job auf morgen. Und hofft, dass dann nicht so viele unbezahlte Gefälligkeiten als Extra-Service auftauchen.