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Faktoren für den Verdienst eines Freelancers

In einem t3n-Artikel aus dem letzten Jahr ging es um die Frage, welche Faktoren einen Einfluss haben auf den Verdienst eines Freelancers. Diese Punkte möchte ich aufgreifen und mit eigenen Anmerkungen ergänzen.

Persönliche Faktoren

Zum einen sind es natürlich die Fähigkeiten und vielleicht noch eine Spezialisierung. Experten mit einem gefragten Spezialgebiet werden auf dem Markt einfach besser bezahlt. Wer für diese Fähigkeiten gute Referenzen und Arbeitsproben vorweisen kann, steht ebenfalls besser da. Falls es am Anfang an guten Arbeitsproben fehlt, bleibt die Möglichkeit, eigene Projekte zu entwickeln – oder vielleicht auch für einen gemeinnützigen Verein (Tierschutzverein, Kulturverein, Naturschutz, sozial ausgerichteter Verein o.ä.) oder ein anderes nicht-kommerzielles Projekt tätig zu werden.

Die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren, erfordert einen professionell wirkenden Auftritt, angefangen von der Visitenkarte bis zum Webauftritt. Im persönlichen Kontakt braucht es ausreichend Selbstvertrauen und – wenn es um einen Auftrag geht – auch ein Mindestmaß an Verhandlungsgeschick. Wer wenig Selbstvertrauen hat und sich über seinen eigenen Wert unsicher ist, wird sich auch schnell unter dem Marktwert verkaufen.

Apropos „unter Wert verkaufen“: gerade beim Einstiegshonorar ist es falsch, zu tief einzusteigen, denn der erste Stundensatz beeinflusst ganz klar das spätere Honorar.

Ein Kunde, bei dem man mit einem Stundensatz von nur 40 EUR einsteigt, wird nicht verstehen, wenn es bei den Preisverhandlungen im nächsten Jahr plötzlich um 120 EUR geht. Eine weitere Gefahr: wer weiterempfohlen wird, weil er/sie so günstig ist, kann auch beim nächsten Kunden das Honorar nicht nach oben schrauben – auch hier wird es immer auf einem eher niedrigen Niveau bleiben.

Hinweis: Bei Honorarfragen ist es daher recht hilfreich, ein kleines finanzielles Polster zu haben, um nicht dringend auf jeden Auftrag angewiesen zu sein. Sich mit nix selbstständig zu machen und ab dem ersten Monat schon die Fixkosten für Miete, Krankenversicherung etc. am Bein zu haben, führt schnell dazu, für lau zu arbeiten, nur um überhaupt was reinzukriegen und die Kosten halbwegs abdecken zu können – wer nur die Kosten abdecken kann, hat betriebswirtschaftlich betrachtet keinen  Gewinn und damit keinen richtigen Verdienst.

Externe Faktoren

Eine wichtige Rolle beim Verdienst spielt die Unternehmensgröße des Auftraggebers. Kleine Unternehmen und Start-ups haben in der Regel keine großen Budgets, das Honorar bleibt dann eher lau. Bei mittelständischen und größeren Unternehmen sind die Budgets in der Regel üppiger.

Die Größe der Budgets hängt teilweise aber auch von der Branche des Auftraggebers ab. In manchen Branchen ist die Verdienstmarge nicht besonders hoch, hier entscheidet die Anzahl oder Quantität von Aufträgen oder Bestellungen über Wohl und Wehe und damit auch über Budgetfragen.

Aus eigener Erfahrung spielt (vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen) auch die Persönlichkeit des Entscheiders eine wesentliche Rolle. Es gibt Firmeninhaber oder Geschäftsführer oder Marketingleiter, die prinzipiell nur auf Einsparmöglichkeiten schauen und die stets dem günstigsten Anbieter oder Freelancer den Zuschlag geben. Es gibt aber auch sachgerechter denkende Entscheider, die nicht nur über den Preis entscheiden, sondern die auch mehr Wert auf die gelieferte Qualität legen – hier darf es dann gern auch ein wenig mehr kosten, wenn der Dienstleister die bessere Leistung bieten kann.

Nicht zuletzt spielt auch eine Rolle, ob der Auftraggeber das Unternehmen selbst ist oder ob man als Freelancer über eine Agentur oder einen anderen Vermittler ins Boot geholt wird. Wer für Direktkunden arbeitet, kann den vollen Honorarsatz verbuchen. Wer für einen Vermittler arbeitet, muss einen Teil des Honorars als Provision abschreiben und wer für eine Agentur arbeitet, wird Abstriche beim Stundensatz machen müssen. Dafür fällt bei Agenturen noch der eine oder andere Auftrag für andere Unternehmen an und im Idealfall genießt man die Vorzüge eines fest-freien Arbeitsverhältnisses – damit lässt sich auch ein geringerer Stundensatz gut verschmerzen 😉

 

 

In eigener Sache: wieder frisch online

Im letzten Sommer habe ich WordPress aktualisiert, aber leider ging damit das Template in irgendein Daten-Nirwana: sobald ich mich einloggen wollte, gab es eine Fehlermeldung. Ich hatte mich irgendwie selbst ausgesperrt, hatte aber blöderweise vorher kein Backup gemacht und überhaupt keine Zeit, mich um irgendwelche technischen Probleme zu kümmern. Mein bisheriger WordPress-Dienstleister konnte sich auch nicht kümmern, daher lag die Website jetzt mehrere Monate brach.

Mein Megastress hat sich glücklicherweise normalisiert, so dass ich in den letzten Tagen wieder Luft hatte, mich um das technische Problem zu kümmern. Beziehungsweise ich habe mich nicht selbst gekümmert, sondern Diana hat das Problem gelöst und ein neues Template installiert und angepasst. Die Website hat sich also in der Optik etwas verändert, aber sie funktioniert endlich wieder!

In den letzten Monaten bin ich aber über kleinere Meldungen gestoßen bzw. bin auch von Lesern angeschrieben worden. Diese noch nicht publizierten Inhalte werden jetzt mit etwas Verspätung nachgereicht.

Neuer Tarifvertrag beim AGD

Unter anderem bekam ich eine E-Mail vom AGD – vielen Dank dafür! Da mir die Zeit fehlt, um aktiv nach Neuerungen zu recherchieren, freue ich mich natürlich sehr, wenn ich Infos per E-Mail erhalte.

Seit dem 1.11.15 gibt es beim AGD (Allianz deutscher Grafik-Designer) einen neuen VTV Designvertrag, der einen Mindeststundensatz von 90 EUR empfiehlt. Weitere Infos zu diesem Vertrag gibt es direkt beim AGD; wer will, kann ihn auch direkt im Onlineshop bestellen.

Weitere Meldungen

Zu den weiteren gesammelten Infos aus den letzten Monaten gehört eine Meldung von T3N: Die Zahl der Hartz4-Aufstocker unter den Selbständigen hat sich seit 2007 verdoppelt, und zwar von 66.910 auf 117.904 im Vorjahr (also 2014).

Während Selbstständige mit Beschäftigten ein Nettoeinkommen von 2.701 EUR monatlich verbuchen konnten, mussten sich Solo-Selbständige ohne Beschäftigte mit 1.496 EUR begnügen. Im Durchschnitt, wohlgemerkt! Das bedeutet natürlich, unter den 1,85 Millionen Freelancern bzw. den 12 Prozent davon in der Kommunikations- und Informationsbranche gibt es durchaus welche, die auf 2.500 oder 3.000 EUR kommen – es gibt aber auch etliche, deren Nettoeinkommen nur bei wenigen Hundert Euro liegt! Und davon müssen Miete, Nebenkosten, Essen, Krankenkasse und Arbeitsmittel (Telefon!) bezahlt werden!?

Miese Honorare als Frauenproblem?

In Spiegel Online ist heute ein Artikel erschienen, in dem es um die Frage geht, ob Frauen nur im Angestelltenstatus an die Gläserne Decke stoßen oder ob das auch in der Selbständigkeit der Fall ist. Wenn ich mich umhöre oder auch die E-Mails lese, die ab und zu reinkommen, dann habe ich den Eindruck, dass sowohl Frauen als auch Männer in Kultur- und Kreativ-Jobs in den letzten Jahren zunehmend Schwierigkeiten haben, gute Stunden- oder Tagessätze zu erzielen. Gerade für Einsteiger ist es nicht leicht, Honorare durchzusetzen, die tatsächlich eine tragfähige Existenz ermöglichen.

Aber lässt sich der Unterschied wirklich am Geschlecht festmachen? Oder liegt es am Metier oder an der Berufserfahrung?

Auf Zuschriften und Kommentare bin ich jetzt wirklich neugierig …

Mindestlohn – auch für Selbstständige?

Das ist ja schön, dass Angestellte demnächst einen Mindestlohn erhalten sollen. Noch schöner wäre es, wenn eine solche Regelung auch für Selbstständige käme. Aber es gibt genug Beispiele von Freelancern, die den Auftrag nicht bekommen, wenn sie zum erforderlichen Stundensatz von Minimum 45 EUR anbieten. Leider finden sich genug andere hungerleidende Freelancer, die bereits sind, für ’n Appel und ’n Ei zu arbeiten. Oder ganz für lau, weil sie sich ködern lassen von den schönen Aussichten, die der Auftraggeber visionär andeutet in der Art von: Naja, machen Sie mal, wenn wir dann zufrieden sind, dann geben wir Ihnen einen richtig gut bezahlten Auftrag.

Hier aktuell zwei Artikel zum Thema Mindestlöhne für Selbständige:

  • Arme Kapitalisten:Selbstständige sind die neuen NiedriglöhnerBald sollen alle Arbeitnehmer mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Ob Friseure, Kioskbetreiber, Anwälte: Hunderttausende Unternehmer müssen mit weniger auskommen.
  • Mindestlohn-Debatte Jeder vierte Selbständige verdient kümmerlich
    Arbeitnehmer sollen bald einen Mindestlohn von 8,50 je Stunde bekommen. Wie aber sieht es mit vielen Selbständigen aus? Laut Berechnungen des DIW verdienen rund 1,1 Millionen von ihnen weniger.
    Auszüge aus dem Artikel: DIW-Arbeitsmarktforscher Karl Brenke beurteilt viele Selbstständige als „Kümmerexistenzen“, unter anderem weil bei rund 40 Prozent aller Solo-Unternehmer nach Abzug aller Kosten so wenig Gewinn bleibt, dass keine Rücklagen aufgebaut werden können. „Diesen Selbständigen fehlen Mittel für Investitionen, als Vorsorge für Krankheit oder Alter“, warnt er.

 

Mindestlohn leider nicht für Solo-Selbständige

Tja, für Angestellte im Niedriglohnbereich will die GroKo (sofern sie tatsächlich zustande kommt) den Mindestlohn einführen. Leider gibt es mit den Solo-Selbständigen dann immer noch eine große Gruppe von Menschen, die nach dem Abzug ihrer Kosten und bei Umlegung ihrer Einnahmen auf die Arbeitszeit unter diesem Mindestlohn liegen. Das betrifft nicht nur die Selbständigen in Kreativ- und Medienberufen, sondern auch in ganz anderen Branchen. Auf Spiegel Online ist heute ein Artikel dazu erschienen mit einem Kernpunkt, der eben auch die Medienleute und Kreativschaffenden betrifft:

Ein Problem: Viele Solo-Selbständige sind nicht abgesichert, wenn sie krank werden. Sie könnten keinerlei Rücklagen bilden … Dem Großteil von ihnen drohe zudem Altersarmut. Manche zahlten sogar überhaupt nicht in eine Rentenversicherung ein. „Das ist eine demografische Zeitbombe.“

Das mit der demografischen Zeitbombe scheint den Politikern noch nicht so ganz klar zu sein. Irgendwie schielen die immer nur auf die nächsten vier oder fünf Jahre – der Horizont reicht eben nur zur nächsten Wahl. Ich kenne aber doch recht viele Lehrkräfte, Dozenten, Grafiker, Texter, Webdesigner und andere Solo-Selbständige, bei denen vielleicht genug zum Leben reinkommt, aber auf keinen Fall genug um vorzusorgen. In zwanzig oder dreißig Jahren, wenn diese Heerschar der Solo-Selbständigen ins Rentenalter kommt, wird das ganz schön die Staatskasse belasten. Mal schauen, ob den Politikern vielleicht doch noch etwas dazu einfällt. Vielleicht dämmert es ihnen aber auch erst in der überübernächsten Legislaturperiode, was da auf uns zukommt …